Review: Mr. Peculiar - Infinite Evolution
Artist: Mr. Peculiar
Title: Infinite Evolution
Label: Sonic Dragon
Format: CD
Released: April 2007
*Review*
Mr. Peculiar ist mir seit 2004 ein Begriff, als ich ihn auf einem kleineren OA in der Slovakei erstmalig gehört habe. Interessant fand ich, dass er seine eigenen Tracks mit CD’s mixte und er erst gar nicht tat so tat, als ob ein Laptop den Live Charakter seines Sets besser unterstreichen würde.
Um ehrlich zu sein war das damals schon alles, was mich beindruckt hat. Ich empfand seinen Morning Sound eher nichts sagend und zu gleichförmig. So kümmerte ich mich auch nicht weiter um seine erste Veröffentlichung „Mind – Dala“ und weiterer Compilation Tracks.
Nun schreiben wir das Frühjahr Jahr 2007, der OA Sommer steht vor der Tür und der eigene Gefühlshaushalt polt sich vorübergehend auf fluffigere und melodische Sounds ein. Da stolpere ich über „Infinite Evolution“ dem neuen Release von Mr. Peculiar. Wollte es sogleich auf die ignore-Liste setzen, da erwische ich mich dabei das Ding komplett durchzuhören und zunehmend in Verzückung zu geraten. Was ist passiert? Liegt es an der Jahreszeit, mich schickt tatsächlich Isratrance Sound? Wie Isratrance, der Typ kommt doch aus Australien?
Mal sehen was es damit auf sich hat:
01. Mystic Entity (9.13): Der Titel des Openers ist hier tatsächlich Programm: Ein Einstieg mit warmen mystischen Chill Flächen und ein Übergang in die unaufdringlichen aber trotzdem präsenten Kicks. Auch die Basslinie hält sich in ihrer Trockenheit vornehm zurück, auch wenn sie nicht gerade innovativ/neu ist. Nach 2 Minuten wissen wir woran wir sind, es geht hier um Emotionen. Die Flöten ähnliche Melodie und die gelungene Einarbeitung der Voice Samples bzw. Sprachmelodie ab Minute 4, bilden die diesbezüglichen Einheiten des Tracks. Das letzte Drittel wird bestimmt durch fast schon oldschoolige Melodieschnipsel. Genialer Opener für das Album, könnte gut als letzter Track eines Open-Air Morning Sets gespielt werden.
02. Syncronized (8.16): Flotter geht’s weiter mit Syncronized, dessen Basslinien gleich mal Full-On typisch anrollen. Die Flächen werden weniger, die Sounds treibend und ab 2.40 mit -sagte ich es schon- typischen Istratrance Melodieschnipseln angereichert. Gerade die machen mich jetzt nicht so an, der Track fängt sich aber im Verlauf wieder. Ab 4.15 wird’s wieder ein bisschen oldschooliger, schöne Wendung die milde stimmt. Guter Track!
03. Inferno (8.12): Inferno setzt die Gefühlebene kurzfristig wieder auf den ersten Track zurück, bevor er in bester Full-On Manier und den fast schon klischeeartigen Basslinien loslegt. Ab Minute 2.30 setzt eine Soundebene ein, wie sie meiner Erinnerung nach vor ein paar Jahren (so um 2002 herum) erstmalig von Dynamic eingeführt wurde. Auch der Rest des Tracks bedient sich einiger klassischer Zitate, dies aber so gut gemacht, dass absolut nix dagegen zu sagen ist. Am Ende wird’s ein wenig arg cheesy, aber das sei verziehen. Nicht ganz so gut wie die beiden Tracks davor, aber immer noch ok.
04. Hero (9.44): So um 2001 ist es ja richtig in Mode gekommen, Psytrance mit klassischem Pop zu mixen bzw. klasschische Pop/Rock Stücke als Psystücke zu remixen. Eine andere Masche bestand darin, Psytrance im Stil anderer Musikrichtungen zu produzieren. Ein wie auch immer gearteter Höhepunkt war sicherlich der Track „Psychedelic Cowboy“ von D-Tek, erschienen auf der TIP-World Compilation „Assassi:Nations The Killers!“: Country&Western on Psytrance. Was haben wir gelacht….
Das Gitarrensample bei Hero hat mich sofort an diesen alten Track erinnert, nur dass er hier komplett anders funktioniert. Während bei Psychedelic Cowbow der Spaß und der WOW-Effekt im Vordergrund stand, setzt Mr. Peculiar die Western Style Gitarre bewusst als Stilmittel ein und das funktioniert perfekt. Die Kicks/Basslinien sind ein bisschen tiefer wie zuvor, die Kombination aus warmen Flächen und den erneut verwendeten Dynamic Sounds verpassen dem Track eine angenehme atmosphärische Dichte. Definitiv einer der Highlights auf dem Album!
05. Re-Entry (7.16): Mr. Peculiar on Astrix! Was geht denn jetzt ab, das hört sich doch an wie Astrix. Nein das ist Astrix, das muß Astrix sein. Nein ist es nicht, so steht’s auf dem Cover: Re-Entry von Hyperception. Who the F*ck ist Hyperception. Ein Alias von Astrix? Aber warum ein solcher Track auf einem Artist Album von Mr. Peculiar? Da muß mich mal jemand aufklären. Ist Re-Entry nicht von Astrix, dann ist es fast schon frech wie stilsicher von wem auch immer ans Werk gegangen wurde. Aber es wird hier nicht einfach kopiert sondern gezeigt, wie Astrix klingen würde, wenn er seine heutigen Skills und aktuelle Produktionstechnik schon Anfang des Jahrtausends hätte einsetzen können. Ich find’s brilliant auch deshalb weil ich – das ist jetzt ein Outing- ein großer Astrix Fan bin.
06. The Forgotten (7.57): Jetzt beginnt die sportlichere Runde, tiefe und ordentlich gepitchte Basslinien (fast schon Menog Style), schöne Nachtmelodien, angenehme Flächen und ausnahmsweise mal keine Zitate aus Israel. Auch das Build-Up ist perfekt denke ich, bis das Break um 3.38 kommt. „Shit das ist ne echt ekelhafte Melodie und die Basslinie springt in Oktaven. Das ist billig, ich hasse das. Kann man ja raus schneiden“ denke ich weiter, aber dann verliert sich der Track auch noch irgendwo und versucht dann am Ende doch wieder wie Menog zu klingen. Sorry zu spät, wenn eine Sache mal so versaut ist, ist auch nix mehr zu holen. 9/10 für den Anfang, 2/10 für den zweiten Teil. Schade!
07. Cracker (7.17): Nun wird es sogar auch noch bisschen psychedelisch, zumindest was den Anfang von Cracker angeht. Schnelle treibende Kicks/Basslinien und eine interessante Arbeit an den restlichen Rythmuseinheiten. Die vorhandenen Melodien sind dezent und wirkungsvoll. Ab 2.40 springen wieder einen wieder ein paar Full-On Zitate an, die Melodien im letzten Drittel sind ok, aber am Rande von uninspiriert. Insgesamt einer der besseren Tracks auf dem Album.
08. Spectra Hi-Fly (Mr. Peculiar Remix) (7.16): Nach dem kurzen und wie ich finde nicht 100%ig gelungenen Ausflug in die Nacht bzw.späte Nacht, zurück zum Morning Sound. Ein Spectra Remix made by Mr. Peculiar. Ich kenne den Original Track nicht, der Remix hier geht sich schön ordentlich los, genau so wie man sich dies an einem sonnigen Vormittag auf einem OA so wünscht. Die Melodien sind gut gesetzt, und erfüllen ihren Zweck. Interessant sind dann die GMS-Style Anleihen so ab 4.10, ich weiß natürlich nicht, ob diese im Original schon drin sind oder von Mr. Peculiar erst reingenommen wurden. Leider entwickelt sich der Track gegen Ende ein wenig zu sehr in Richtung „Hands in the Air“ Trance, aber nun ja GMS machen ja heutzutage auch keinen anderen Sound mehr. Gut!
09. Other Species (8.01): Am Ende wird dann doch wieder psychedelisch, als Closer hätte ich mir jedoch einen Track gewünscht, der mehr dem Konzept des Albums entsprochen hätte. Trotzdem gute Arbeit, die jedoch nix außergewöhnlich Erwähnenswertes bietet.
*Zusammenfassung*
Mr. Peculiar schafft es fast spielerisch eine ganze Dekade Israsounds zu zitieren und zu verarbeiten ohne jedoch jemals in den Verdacht zu geraten, einfach nur zu kopieren oder auch ins Peinliche abzurutschen. Im Gegenteil, er geht mit äußerster Präzision und mit solidem handwerklichem Geschick zu Werke, das Ergebnis ist echt beeindruckend. Immer wieder erwischt man sich bei kleinen gedanklichen Zeitreisen und muss häufig lange überlegen, wo er denn das eine oder das andere nun wieder her hat. Psychedelische Köpfe könnten jetzt einwerfen, dass hier dem Kommerz doch ein wenig zu stark Rechnung getragen worden ist, ich finde jedoch absolut nichts schlechtes dran, so lange das Ergebnis so gut ist. Thumbs up, 8 von 10 Punkten!!
*Favouriten*
1(!!), 4 (!!), 5 (!!)

